Zert. Weiterbildung für Kinder- u. Jugendl.-psychotherapie, Sozialpädiatrie, Lerntherapie

Sprach-, Sprech-, Kommunikationsstörungen bei Kindern/Jugendlichen

Konzept

Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen gehören zu den häufigsten Auffälligkeiten im Kindesalter und bedürfen aufgrund ihrer hohen Persistenz und den damit einhergehenden Sekundärfolgen im sozial-emotionalen Bereich, im Verhalten und in der schulischen Entwicklung einer besonderen Beachtung.

Störungen im Spracherwerb beeinflussen wie kaum eine andere Problematik bereits früh wesentliche Bereiche der kindlichen Entwicklung, wie die Kommunikation mit Eltern, pädagogischen Fachkräften und Gleichaltrigen sowie das soziale und emotionale Erleben. Der Anteil an Verhaltensauffälligkeiten und emotionalen Störungen ist bei Kindern mit einer Sprachentwicklungsstörung (SES) deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung. Bereits Vorschulkinder mit einer SES zeigen Auffälligkeiten in der Emotionsregulation und fallen durch ein Rückzugs- oder ein expansives Verhalten auf, welches sich insbesondere bei spätem Erkennen und damit verzögerter oder sogar ausbleibender spezifischer Intervention im Schulalter manifestiert und somit nicht selten Anlass für eine psychotherapeutische Intervention bis hin zur stationären Maßnahme ist.

Des Weiteren besteht für Kinder mit einer SES ein hohes Risiko für das Auftreten von Schwierigkeiten im schulischen Lernen trotz altersentsprechender nonverbal kognitiver Fähigkeiten. Betroffene Kinder weisen deutlich häufiger als andere Kinder Probleme im Lese- und Rechtschreiberwerb auf. Ein eingeschränktes Wort- und Satzverständnis führt zu Schwierigkeiten im Lese- und Textverständnis mit direkter negativer Auswirkung auf die Bearbeitung von Sachaufgaben in Mathematik und auf das selbstständige Aneignen von Wissen in allen Schulfächern. Aufgrund der vielen Misserfolge entwickeln betroffene Kinder oft ein ungünstiges schulisches Selbskonzept.

Um die umfassenden Schwierigkeiten eines betroffenen Kindes oder Jugendlichen zu verstehen, sind Kenntnisse über die Zusammenhänge zwischen den Sprachkompetenzen einerseits und dem Verhalten und Erleben andererseits sowie die Fachkenntnis darüber, inwiefern Defizite in unterschiedlichen Sprachbereichen (z. B. im Wortschatz, im Sprachverständnis) das schulische Lernen beeinflussen, unerlässlich. Damit die zugrundeliegenden sprachlichen Defizite in jeder pädagogischen Fördermaßnahme und psychotherapeutischen Intervention Berücksichtigung finden können, bedarf es im Vorfeld einer umfassenden, die sprachlichen Kompetenzen einschließenden, psychologischen Diagnostik.

Dieses Curriculum wurde von Dr. Anke Buschmann (Dipl.-Psychologin, ZEL-Leitung) speziell für Fachpersonen konzipiert, die mit Kindern und Jugendichen im Alter von einem bis 18 Jahren im klinisch-diagnostischen oder psychotherapeutischen Kontext bzw. im pädagogischen Setting (lerntherapeutische Maßnahmen) arbeiten und ein Interesse haben, die Problematik von Kindern mit Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen besser zu verstehen sowie ihre differenzialdiagnostischen Kompetenzen zu erweitern und die Therapie an die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder anzupassen.

Bei der Auswahl der Inhalte wurde großer Wert auf die Verknüpfung von aktuellem wissenschaftlichem Fachwissen mit praktischem Erfahrungswissen gelegt. Die Referent*innen verfügen zumeist über eine langjährige Erfahrung in der Diagnostik und Therapie von Kindern mit Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen. Viele Referent*innen arbeiten an der Schnittstelle zwischen Psychologie und Sprachtherapie. Eine Besonderheit dieses Curriculums besteht zudem in der Möglichkeit, sich in der systematischen Zusammenarbeit mit den Eltern zu qualifizieren.


Zielgruppe

Fachpersonen aus den Bereichen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, -psychologie, -psychiatrie, Sozialpädiatrie und Lerntherapie


Inhalte

Im Basismodul 1 lernen Sie die wissenschaftlichen Grundlagen zum kindlichen Spracherwerb und die häufigsten Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen im Überblick kennen. Das Phänomen der „Late Talker“, die Charakteristik einer Sprachentwicklungsstörung (SES) und die langfristige Entwicklung betroffener Kinder werden entsprechend der aktuellen Leitlinie der AWMF behandelt. 

Im Basismodul 2 werden Sie mit den Zusammenhängen zwischen Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen und dem Verhalten sowie emotionalen Erleben der Kinder vertraut gemacht. Die Thematik wird anhand von Resultaten aus wissenschaftlichen Studien und mittels Falldarstellungen aus der klinischen Praxis erarbeitet.

Frei wählbare Aufbaumodule aus drei Bereichen ermöglichen Ihnen eine fachliche Vertiefung entsprechend Ihrer persönlichen Interessen und beruflichen Bedürfnisse

  • Störungsbilder: u. a. Sprachverständnisstörung, Selektiver Mutismus, Autismus-Spektrum-Störung
  • Diagnostik: u. a. Intelligenzdiagnostik bei SES, Sprachdiagnostik bei geistiger Behinderung, bei Mehrsprachigkeit, bei Sprachverständnisstörung
  • Intervention/Zusammenarbeit mit Eltern: Heidelberger Elterntraining Late Talker oder LRS, Sprachverständnis-Intervention und Elternworkshop

Wenn Sie eine Zertifizierung anstreben, wählen Sie aus jedem Bereich mindestens ein Seminar. Wählen Sie aus dem Bereich Intervention das Heidelberger Elterntraining haben Sie die Möglichkeit eine weitere anerkannte Zertifizierung zu erhalten.

In dieser Tabelle finden Sie alle Seminare der zertifizierten Weiterbildung und die derzeit feststehenden Termine im Überblick.


Organisation: Start jederzeit möglich

Für eine Zertifizierung besuchen Sie die beiden Basismodule sowie mindestens ein Modul aus jedem der drei Wahlbereiche. Insgesamt benötigen Sie 60 Unterrichtseinheiten für die Zertifizierung.

Jedes Modul ist inhaltlich in sich abgeschlossen, sodass die vorgesehene Reihenfolge nicht zwingend eingehalten werden muss. Wir empfehlen jedoch, nach Möglichkeit die Basismodule zuerst zu besuchen.

Die Module des Curriculums können Sie über mehrere Jahre verteilt besuchen. Eine Anmeldung für die Zertifizierung kann jederzeit erfolgen, d. h. es ist nicht nötig, sich von Beginn an für die Zertifizierung zu entscheiden.

Jedes Seminar ist unabhängig davon, ob Sie eine Zertifizierung anstreben, buchbar.


Über diesen Link kommen Sie zu den einzelnen Seminaren mit den aktuellen Terminen und der Möglichkeit zur Onlinebuchung. Alternativ können Sie sich das Anmeldeformular auch auf Ihren Computer speichern, es ausdrucken und ausgefüllt an uns faxen oder per Post senden.

Falls Sie Fragen zu diesem Curriculum oder allgemein zu unserem Weiterbildungsangebot haben, können Sie sich gern über das Kontaktformular oder auch telefonisch (+49 6221/651641-0) an uns wenden.